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Oder: Wie ich zugenommen habe.

Cause you´re worth it!

Hey ihr Lieben,

Soziale Medien, im Mittelpunkt stehen usw. ist ja schön und recht. Jedoch finde ich, dass man seinen Blog vor allem auch dazu nutzen sollte, den Leuten, die ihn durch die täglichen Klicks und Kommentare aufrecht halten, etwas zurückzugeben. Deshalb frage ich euch ja immer, was ihr denn gerne hier lesen wollt und ein Thema scheint euch dabei offensichtlich nicht loszulassen: Wie hast du es geschafft, wieder mehr zu essen und vor allem, wie bist du damit klar gekommen, auch zuzunehmen? 

Wie ihr ja mittlerweile wisst, hat bei mir der Healthy Lifestyle nicht einfach so von heute auf morgen begonnen. Bzw. habe ich lange gebraucht, um da zu sein, wo ich heute bin. Von viel zu wenig bis ausschließlich gesund-alles war dabei, doch nichts hat mich auf Dauer glücklich gemacht.

Als ich knapp 16 war, war ich in der Phase, einfach alles perfekt machen zu wollen. Noten, Sport und eben auch Ernährung und mein Körper als Resultat. Dass ich es damals zu weit getrieben habe, wurde mir erst im letzten Moment bewusst, als ich dann mit weniger als 40 kg und einem Herzschlag von 35 pro Minute im Krankenhaus landete-zwei Tage vor meinem 16 Geburtstag übrigens. Ich habe euch meine Geschichte letztes Jahr schon einmal in einem Blogpost erzählt, aber ich weiß, dass vor allem in 2015 viele neue Leser dazugekommen sind und deshalb möchte ich auch darauf noch einmal kurz eingehen.

Auf jeden Fall stand damals eines fest: ich musste dringend zunehmen, denn ich war weder schön so, noch fühlte ich mich wohl. Um die 6 kg waren damals von meinem Arzt gefordert und die hatte ich mir auch als Ziel gesetzt. Nur wie?

Ich war also 16, hatte wenig Ahnung wie viel und vor allem was mein Körper braucht. Also war der erste Gedanke einmal, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In den fast vier Wochen, die ich dann (in den Sommerferien) im Krankenhaus verbringen musste, habe ich diese dann auch erhalten. Sprich, ich wurde nicht nur von Kopf bis Fuß durchgecheckt, sondern auch in Sachen Ernährung erhielt ich Unterstützung.

Aber eines musste mir auch damals klar sein: ich muss zunehmen WOLLEN. Nur essen alleine macht euch nicht wieder gesund. Dazu gehört viel viel mehr.

Bei mir war das Untergewicht schlicht und einfach ein Ausfluss meines Perfektionismus. Alles unter Kontrolle haben zu wollen, das hat sich eben auch auf meinen Körper und mein Essverhalten ausgewirkt. Und das obwohl ich  nie dick war, sondern immer schon sportlich.

Ich kann aber von Glück sprechen, dass das Ganze bei mir noch nicht so weit fortgeschritten war, ich also noch nicht komplett in diesem ‚Nichts-Essen-Kreislauf‘ gefangen war. Obwohl, nichts essen ist eigentlich falsch, denn ich habe immer gegessen. Nur einfach viel viel zu wenig. Ich dachte einfach ‚Passt schon‘ und hatte keine Ahnung, wie viel ich brauche. Außerdem habe ich nie irgendeine Art von low-carb oder low-fat Diät gemacht. Ich habe weiterhin abends Brot gegessen und trotzdem abgenommen.
Was natürlich noch dazukam, war der Leistungsdruck, den ich mir selbst gemacht habe. Perfektionismus, wie ich schon erwähnt habe, in allen möglichen Formen-ein Problem, dass ich auch heute noch nicht ganz überwunden habe.
Bitte versteht mich hier auch nicht falsch, denn ein wenig Perfektionismus ist bestimmt nicht schlecht, doch man kann einfach alles übertreiben und da bin ich ziemlich gefährdet.

So, zurück zum Thema. Zunehmen, aber wie?
Wie ich euch oben gesagt habe, ist das A und O einfach, dass ihr den Willen dazu habt. Deshalb ist es wichtig, dass ihr euch Zeit lasst. Von heute auf morgen funktioniert gar nichts, glaubt mir.
Fangt langsam an, euch an mehr zu gewöhnen. Auch wenn man von euch verlangen wird, alles von jetzt auf gleich zu ändern, dann wird das nicht machbar sein. Viele sehen nämlich nicht, dass es nicht nur um´s Essen geht. Vielmehr passiert so eine Essstörung im Kopf und gegen den eigenen, oft stärkeren Willen anzukommen, ist wirklich alles andere als einfach.
Also, wie fangt ihr nun langsam an?
Zuerst einmal ist es wichtig, dass ihr euch feste Mahlzeiten setzt und keine auslässt. Bei mir war ein großes Problem, dass ich oft einfach keinen Hunger hatte bzw. dachte ‚Nein du brauchst jetzt nichts.‘. Aber das ist falsch! Euer Stoffwechsel wird nur wieder funktionieren, wenn ihr beginnt regelmäßig zu essen. Vor allem auch dann, wenn ihr nicht so viel auf einmal schafft.

Ich weiß auch, dass das mit dem Gewissen so eine Sache ist. Deshalb müsst ihr auch auf keinen Fall anfangen, nur noch Schokolade, Chips und Co zu essen. Das wäre auch alles andere als produktiv. Euer Körper braucht nun alle wichtigen Nährstoffe und nicht Mengen an Zucker und gesättigtem Fett. Andererseits sollt ihr auch nicht versuchen, euch Dinge zu verbieten, die ihr liebt, denn ihr sollt euch ja auch nicht einschränken!
Denkt einfach so: esst das, was euch glücklich macht und womit ihr euch gut fühlt. Glaubt mir, weder mit drei Tafeln Schokolade am Tag, noch mit ausschließlich Clean&Healthy werdet ihr zufrieden, wenn ihr das nicht unbedingt wollt.
Versucht mal, in euch hineinzuhören und euch zu fragen, worauf ihr Lust habt und wonach euer Körper verlangt. Ich weiß, das ist schwer, aber nur, weil irgendetwas zB. gesund ist und es jeder isst, müsst ihr das nicht.

Andersrum ist es genau so: verbietet euch keine Lebensmittel! Den das führt nur dazu, dass ihr sie dann nur umso mehr haben wollt. Klar, man kann nicht verlangen, dass die ‚Angst‘ vor gewissen Dingen von jetzt auf gleich weg ist, aber trotzdem könnt ihr zum Beispiel mit ein paar Stücken Schokolade anfangen. Nichts, aber auch gar nichts wird dann passieren! Und ihr werdet das sehen und euch denken ‚Hey, das war doch gar nicht schlimm!‘.

Und außerdem, was vergebt ihr euch, wenn ihr euer Leben einfach genießt? Genau gar nichts! Als ich viel zu dünn war, war ich dünn. Aber was war ich sonst? Glücklich wohl kaum und schön auch nicht mehr. Deshalb ist es einfach so so wichtig, dass ihr versteht, dass Zahlen auf der Waage rein gar nichts aussagen. Ihr müsst euch wohl fühlen und euer Körper muss das auch, um jeden Tag leistungsfähig zu sein.
Ich spreche auch hier aus Erfahrung, denn ich kann mich noch zu gut erinnern, wie mir in der Schule jeder Gang in ein anderes Klassenzimmer zu weit war. Auch Ausdauersport habe ich zum Schluss keinen mehr gemacht. Beim Reiten war ich froh, wenn ich die Stunde heil überstanden habe und ich glaube, das waren die Leute um mich herum auch.
So richtig bewusst ist mir mein Untergewicht zwar erst im Krankenhaus geworden, aber schon vorher habe ich mir Gedanken gemacht, weil ich nun die Jeans aus der Kinderabteilung trug und jede Online Bestellung zurückschicken musste, weil mir einfach alles zu groß war. Im Nachhinein macht es mich einfach nur traurig, weil ich dadurch eine Zeit meines Lebens verschwendet habe, die eine der schönsten hätte werden können.

Wie auch immer, es ging auf jeden Fall bergauf-und das geht es immer noch! Auch, wenn seit dem fast 4 Jahre vergangen sind, fällt es mir trotzdem auf, dass ich ab un zu noch in ‚alte Muster‘ falle. Dann packe ich mich aber meistens ganz schnell an der Nase und sage mir ‚Hallo, warum? Das bringt dir doch nichts!‘.

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Als ich begonnen habe mit dem Zunehmen lief es anfangs wirklich super. Nach und nach habe ich dann angefangen von einfach nur ‚Zunehmen‘ auf GESUND und zwar ausschließlich gesund Zunehmen umzusteigen. Auf was lief das dann wohl hinaus? Einschränkungen! Kein Zucker, kein gesättigtes Fett, kein Weizen etc;… Klar, alles nicht verkehrt, aber wie schon erwähnt, neige ich einfach dazu schnell alles zu übertreiben. So war es dann auch mit dem Healthy-Lifestyle. Über ein halbes Jahr keinen Kaugummi, keine Cola light, nur Schokolade ab 80% Kakao, nur selbstgebackenes Brot…ist das noch gesund? Für mich war es normal geworden, aber auch mit dieser Lebensweise habe ich letztendlich wieder auf mich selbst vergessen. Wo ich mich vorher in den Mengen eingeschränkt habe, tat ich das nun bei den Zutaten. Ich aß bestimmt um die 2500 Kalorien, wie jetzt eben, nur einfach Dinge, wo ich mir jetzt wieder denke, wie mir das bloß schmecken konnte?!
Das ist dann die Kehrseite von all dem hauptsächlich ‚Gesund‘. Letzten Endes steht immer noch die Frage im Raum, ob euch das denn glücklich macht?
So, und wie macht ihr das nun konkret mit dem langsamen Steigern eurer Kalorienmengen?
Bei mir war das so, dass ich anfangs unendlich viel brauchte, um überhaupt einmal zuzunehmen.
Vorher müsst ihr aber einmal wissen, was überhaupt ‚normal‘ ist. Sprich, wie viel ihr braucht, um euer Gewicht zu halten. Im Internet kursieren dazu Rechner und Tools en masse. Viele klingen realistisch, viele aber auch nicht. Deshalb solltet ihr nicht nur auf diese Rechner vertrauen. Zieht dazu am besten einen Arzt oder Diätologen hinzu, die Ahnung haben und unternehmt nichts auf eigene Faust. Ich weiß, dass es schwer ist, vor allem mit den Eltern über dieses Thema zu sprechen, aber glaubt mir, ihr werdet euch danach nicht nur besser fühlen, sondern es ist ein Schritt in die richtige Richtung-einer der wichtigsten!
Also, wenn ihr einmal wisst, wie viel ihr eigentlich braucht, dann könnt ihr euch auch ausrechnen, dass ihr noch mehr braucht, um dann zunehmen zu können. Um die 300-500 Kalorien mehr am Tag, das ist es um langfristig gesund zuzunehmen. Manche brauchen auch mehr-so wie ich anfangs! Ich weiß noch, als ich gerade aus dem Krankenhaus kam, bin ich gleich die Woche drauf mit meiner Oma in den Wellnessurlaub gefahren, habe mich nicht besonders viel bewegt und einfach gegessen, worauf ich Lust hatte. Und trotzdem habe ich nach diesen drei Tagen wieder abgenommen. Das hat mir noch einmal gezeigt, wie schwer Zunehmen sein kann, wenn man es richtig machen möchte. Mein Körper hatte damals einfach noch so dermaßen Nachholbedarf scheinbar, um alles wieder ins Laufen zu bekommen. Mit der Zeit pendelt sich das aber ein und ich aß weiterhin mehr, aber es waren keine Unmengen.
Wenn bei mir dann nicht der Drang zum ‚ausschließlich gesund Essen‘ dazugekommen wäre, dann könnte ich meinen Verlauf des Zunehmens eigentlich als relativ erfolgreich beschreiben.
Dann war es aber vor allem wichtig, wieder ein Normal zwischen ungesund und gesund zu finden.
Wer einmal begonnen hat, so gut es geht auf Zucker zu verzichten, der wird merken, dass unser Körper an sich keinen Zucker braucht. So ging es mir auch, aber trotzdem bestand mein Leben dann so wie vorhin wieder aus Einschränkungen, die mich nicht glücklich gemacht haben.
Ihr sollt doch Spaß an der Ernährung haben und das essen, was euch schmeckt! Vollkorn und möglichst unverarbeitete Lebensmittel sollen die Hauptbestandteile sein, das ist klar. Aber was passiert schon, wenn ihr einmal Weißbrot anstatt Dunkelvollkorn esst, wenn es nichts anderes mehr gibt? Was wenn die Milchschokolade einfach besser schmeckt, auch wenn sie Zucker enthält? In dem Ausmaß in man sie essen sollte, ist das ÜBERHAUPT kein Problem!
Und so denke ich auch heute: meine Hauptmahlzeiten gestalte ich möglichst mit viel frischem Obst, Gemüse, Vollkorn und magerem Eiweiß. Die Schokolade als Dessert oder meine geliebten Questbars, die Cola light, Kuchen am Geburtstag, Kekse an Weihnachten, das Familienessen und so weiter lasse ich mir aber trotzdem nicht nehmen. Schon mal von dem Spruch ‚Ein schlechtes Essen macht euch genau so wenig dick, wie euch ein gesundes schlank macht‘ gehört? das trifft einfach zu 100% zu! Alles andere bedeutete zumindest bei mir nur wieder Einschränkungen über Einschränkungen.

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Ihr seht schon, das ist ein Thema, über das ich hier noch stundenlang weiterschreiben kann. Einfach, weil es mich über die letzten Jahre hinweg begleitet hat und Teil meiner Jugend war bzw. ist.
Umso mehr kann ich stolz sein, dass ich so weit gekommen bin wie jetzt. Und das könnt ihr auch! Dass es lange dauern wird und nicht einfach ist, das steht fest. Genau deshalb dürft ihr einfach nicht aufgeben und auch trotz Rückschlägen weitermachen, denn jedem geht es so.

Ich möchte zum Schluss noch einmal betonen, dass es mir anfangs wirklich nicht leicht gefallen ist, die ersten Zeilen dieses Posts zu schreiben. Doch letzten Endes will ich ja, dass er euch weiterhilft und glaubt mir, alleine das alles niederzuschreiben hat auch mir wieder ein Stück weitergeholfen. Denn selbst in zehn Jahren wird das Thema immer noch präsent sein, auch wenn nur im Unterbewusstsein.

Außerdem finde ich es gut, dass euch solch persönliche Themen neben den ganzen Rezepten so interessieren, weil ich denke, dass ich euch dadurch auch ein Stück weiterhelfen kann bzw. es versuche.

Aber am Ende müsst ihr es euch einfach selbst wert sein. Vergesst das nie.

Xoxo

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