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Hey ihr Lieben,

Everything will be okay in the End okay. If it´s not okay, it´s not the End.-John Lennon

Ich liebe das Zitat. Und wisst ihr warum? Weil es stimmt und weil man fest daran glauben sollte, dass alles irgendwann ein gutes Ende nehmen wird.

Mittlerweile fällt es mir nicht mehr schwer, mit euch hier meine Gedanken zu teilen und euch teil haben zu lassen an meiner Geschichte, weil ich es mit meiner Reichweite quasi als meine Pflicht sehe, anderen zu helfen.

Lange Zeit habe ich kaum über meine Krankheit gesprochen bzw. konnte es einfach nicht. Vielleicht auch, weil ich meine Essstörung nicht als solche gesehen habe. Doch das ist sie und zwar eine, die mit am schwersten zu heilen ist und verdammt viel Eigeninitiative bedarf.

Oft scheitert man, hat Zweifel ob das, was man tut denn richtig ist, doch irgendwann ist immer ein Anfang vom Ende dieser schrecklichen Krankheit in Sicht.

Den Anfang vom Ende oder mein Weg aus der Essstörung, das möchte ich heute mit euch teilen.

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Wie ihr wisst, fing alles bei mir mit knapp 16 Jahren an. Ich war nie dick und immer sportlich. Also abnehmen musste ich nicht. Vielmehr ging bei mir zu der Zeit einfach alles drunter und drüber. Wir waren umgezogen, ich wechselte die Schule, betrieb Leistungssport. Der wahren Ursprung meiner Krankheit lässt sich aber schon viel viel früher finden, zu einer Zeit als ich noch so kein war, dass mir das lange nicht bewusst war. Kurz: ich hatte schon früh mit großem Verlust zu kämpfen und das hat mich auch meine gesamte Kindheit begleitet. An dieser Stelle möchte ich aber nicht mehr dazu sagen (zumindest jetzt nicht), da das Thema wirklich sehr privat ist. Deshalb brauchte ich irgendetwas, dass ich ‚kontrollieren‘ konnte nachdem. Alles schien sich damals für ich zu verändern: neue Schule, neues Umfeld. Diese Kontrolle habe ich dann über meinen Körper ausgeübt. Bis zum Schluss war mir das auch selbst gar nicht bewusst bzw. habe ich nicht gemerkt, dass ich immer dünner und dünner wurde und es mir von Woche zu Woche und von Tag zu Tag schlechter ging. Selbst als ich dann mit unter 40kg im Krankenhaus war, dachte ich ganz sicher, am nächsten Tag wieder nach Hause gehen zu dürfen.

Mit der Zeit wurde mir aber klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Still und heimlich schrie ich um Hilfe, doch andererseits wollte ich diese ‚Kontrolle‘ auch nicht aufgeben.
Viele glauben immer, dass man eine Essstörung wie Magersucht heilen kann, indem man einfach an Gewicht zunimmt. Doch das ist nur der Anfang, denn eigentlich spielt sich alles im Kopf ab.

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Auch wenn ich ‚nur‘ knapp ein halbes Jahr extremes Untergewicht hatte, war ich dann auf keinen Fall geheilt. Ich dachte das zwar immer, doch vor allem jetzt wird mir immer mehr bewusst, dass ich wirklich lange noch mitten drin steckte.

Anfangs lebte ich quasi mit zwei ‚Ichs‘. Das eine Ich, dass alles besser machen wollte und einsichtig war und dann eben das andere, das auf keinen Fall aufgeben wollte, für was es so lange ‚gekämpft‘ hat. Vor allem am Anfang war das enorm schwer und deshalb verwundert es auch nicht, dass ich mir unheimlich schwer getan habe, loszulassen und nicht mehr alles kontrollieren zu wollen.

Wer sich jetzt wundert, ob ich keine psychologische Hilfe hatte: die hatte ich. Doch gebracht hat es nichts. Das Problem war nämlich, dass mein Problem nicht erkannt wurde und ich bei jedem der wenigen Besuche noch schlechter vorkam bzw. ich auf einmal nicht mehr ‚nur‘ machtsüchtig war, sondern auch depressiv und mir was weiß ich was eingeredet wurde. Natürlich lag das denke ich an meiner Psychologin, die wohl nicht die richtige für mich war. Oder vielleicht war ich auch damals noch nicht dazu bereit, Dinge in meinem Leben grundlegend zu ändern?
Es ist also nicht verwunderlich, dass ich nachdem ich die ersten Kilos zugenommen hatte (oder eher musste), wieder so weiter gemacht habe wie zuvor. Das blieb auch nicht ohne Konsequenz und so hatte ich am ende des Sommers knapp 42 Kilo und somit nur wenig mehr als am ‚Anfang‘.

Es wurde dann Herbst und die Schule ging wieder los. Die ersten Wochen spielte ich dieses Spiel noch, doch als dann die Prüfungen und der Lernstress wieder losgingen, merkte ich, wie kraftlos ich geworden war und dass ich nicht mal in der Lage bin, beim Turnunterricht halbwegs mitzuhalten. (Ihr müsst wissen, dass ich den ganzen Sommer über quasi Sportverbot hatte und außer ein paar Mal Reiten gehen wenig Bewegung machte.)

Nun kam wieder dieses eine Ich in mir hoch, dass mich zwang etwas zu ändern. Wie immer dachte ich noch, dass mit mehr Kilos auf der Waage alles getan sein wird und aß bewusst mehr. Wie gesagt, ich fand mich nie dick und ich glaube deshalb fiel es mir nicht schwer, auch zuzunehmen.

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Ich glaube ich habe schon einmal erwähnt, dass ich schon immer halbwegs gesund gegessen habe. Vielleicht nicht ganz so viel Gemüse wie heute, aber wirklich nicht ungesund. So fand ich damals eigentlich ein gutes Mittel. Zudem war Weihnachtszeit, ich habe viele Kekse gebacken und natürlich auch genascht und war wirklich auf dem besten Weg, das Ganze zu überwinden.

Im Frühjahr ging es mir dann eigentlich richtig gut und ich aß viel und fing auch wieder mit dem Sport an.
Doch dann machte ich einen großen Fehler: ich begann, meine Kalorien zu zählen. Wie damals. Und schnell wurde ich wieder abhängig davon. Wie schon beschrieben ‚brauchte‘ ich vielleicht einfach wieder diese Kontrolle über mein Leben, die mich in alte Muster zurückfallen ließ.

Und wer hätte es gedacht, die Kalorien wurden immer und immer weniger und das, obwohl ich Sport machte. Ich war also wirklich NICHT NETT zu mir und meinem Körper.

Als mich dann meine besten Freundinnen aus der Schule drauf ansprachen und es auch daheim natürlich wieder aufgefallen war, war ich wieder an dem Punkt: ich muss etwas ändern.

Dieses Mal: ich ernähre mich ausschließlich gesund. Was mich dazu brachte? Ich will nicht die Schuld darauf schieben, aber zu dieser Zeit habe ich mich auf Instagram angemeldet und fand diese ganzen ‚Healthy Lifestyle‘ Posts richtig toll! Ich sagte mir: iss gesund, aber NUR gesund. So begann ich alles zu streichen, was nur das geringste Gramm Zucker, Weizen oder Süßstoff enthielt. Nicht einmal Kaugummi kaute ich, trank eine Cola Light oder kaufte mir Brot vom Bäcker(!!). Das war nun meine Art der Kontrolle über meine Ernährung geworden. Das andere Extrem sozusagen. Dazu muss man wissen, dass das alles noch gar nicht so lange her ist. Zu der Zeit war ich auch schon als stefaniegoldmarie auf Instagram unterwegs. Ich aß ja immer viel aber eben NUR gesund!
Das war auch das Jahr bzw. der Winter in dem ich meine Matura machte. ich steckte mitten in den Vorbereitungen, musste nicht mehr so viel zur Schule und hatte einmal Zeit, mir Gedanken zu machen, wie es in Zukunft aussehen würde. Vor allem fragte ich mich aber auch: bin ich glücklich so? Nicht zu 100%! Auch wenn mir an meiner Ernährung nach außen hin quasi nichts fehlte, weil sie ausgewogen war und eben GESUND, hätte ich es doch lieber anders gewollt. Anders in dem Sinn, dass ich mich durch meine ausschließlich gesunde Lebensweise quasi sozial isoliert habe. Ich war zwar viel mit meinen Freundinnen unterwegs, doch ich trank weder Alkohol (keinen Tropfen, auch wenn ich den zugegeben einfach wirklich nicht vertrage. Aber nicht mal ein ‚Anstandsglas‘) und schon gar keine Chips oder Kuchen, die meine Freundinnen öfter mal vorbereiteten.
Zum ersten Mal kam dieses echte schlechte Gewissen dazu, wenn ich mir vorstellte, solche Dinge zu essen. ich war also von der Magersucht in die Orthorexie gerutscht und das viel schneller, als es mir lieb war. Ich kann mich sogar noch SO gut daran erinnern, als ich unbedingt einen gehypten Quest Bar probieren wollte und einfach ein arg schlechtes Gewissen wegen des Süßstoffes hatte. Jetzt greife ich mir an die Stirn darüber, aber früher waren das meine Sorgen.

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Doch wie ging es weiter? Nach der Matura fiel einfach SO eine große Last von meinen Schultern. Ich hatte auf einmal das ganze Leben vor mir, mit dem ich nun etwas anfangen musste. Vor allem wurde ich durch diese ganzen Einschränkungen einfach immer unglücklicher und war wieder an eimem Punkt, an dem ich alles ändern wollte. Was heiß alles, ich wollte mir wieder mehr Sachen gönnen können, die ich früher geliebt und nun als ‚ungesund‘ abgestempelt habe. ich weiß noch wie erstaunt meine Mama damals war, als ich eines Tages mit einer Packung Kinderschokolade nach Hause gekommen bin, sie mich fragte, ob die für meine Schwester ist und ich sagte: Nein für mich. Außer Kakaonibs und Raw Chocolate gab´s bei mir nicht viel das letzte halbe Jahr :p

Wahrscheinlich kam nun auch dazu, dass ich älter geworden bin und nun endlich in der Lage war, mich zu fragen, ob das denn alles Sinn hat, was ich mache bzw. was ich MIT MIR mache!

Natürlich hatte ich mit der Zeit meine Angewohnheiten entwickelt ,die ich nicht mehr so einfach loslassen konnte. Doch auf einmal fing mir meine Ernährung wieder an, Spaß zu machen. Ich probierte viele Dinge, die ich auch mal für nicht so ‚gesund‘ empfand und ich konnte sie genießen.

Trotzdem gab es lange Zeit einfach auch noch Dinge, die mir Schwierigkeiten bereiteten. Ich war es gewohnt, dass meine Mahlzeiten immer perfekt zusammengesetzt sein müssen. Ein Essen ohne Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett gab es nicht bei mir. Ich aß Snacks, weil ich es für richtig hielt und alles zu einer bestimmten Uhrzeit.

Diese Kontrolle blieb mir wirklich lange Zeit erhalten. ich bin scheinbar wirklich so ein Gewohnheitstier, dass immer um die selbe Uhrzeit Frühstück, Mittag, Abendessen und dann noch meine Zwischenmahlzeiten brauchte. Oft habe ich mir sogar darüber Gedanken gemacht, wenn ich wo eingeladen war oder unregelmäßige Unizeiten hatte.

Und auch so verschwendete ich wieder viel Energie und Lebensfreude an solch zweitrangige Dinge, die mich kein bisschen glücklicher und zufriedener machten, außer, dass sie mir wieder in gewisser Weise ein wenig Sicherheit gegeben haben.

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Vor allem im letzten Jahr habe ich sehr viel nachgedacht. Wie gesagt, ich bin erwachsener geworden und habe meine Prioritäten anders gesetzt. Nicht selten habe ich mich auch dabei ertappt, wie ich angefangen habe, etwas wirklich anzuzweifeln wie den Zwang, der doch immer noch in meiner Ernährung zu stecken scheint. Was hat das für einen Sinn für mich? Geht es mir damit besser? Wohl kaum! Auch wenn man es mittlerweile nicht mehr so sehr merkt, gibt es immer noch Dinge, die ich mir selbst verbiete. Vor allem nämlich unbewusst selbst verbiete.

Doch warum mache ich das? Warum kann ich einfach nicht nett zu mir selbst sein? Was habe ich mir getan?

Ernährung hat bei mir in den letzten Jahren einfach wirklich eine sehr große Rolle gespielt und das in vielerlei Hinsicht. Einerseits bin ich froh darüber, mich einigermaßen auszukennen und auch viel gelernt zu haben, aber andererseits war mein Verhältnis zum Essen nie wirklich das gesündeste.

Doch das Problem liegt zumindest bei mir eben nicht im Essen an sich. Es liegt viel mehr darin, Kontrolle haben zu wollen und sich selbst vielleicht auch nicht wert zu schätzen.

Was ich geändert habe? ich habe angefangen, mich zu akzeptieren so wie ich bin. Ich habe gelernt, auch mal stolz sin zu können auf mich und mich selbst mehr wert zu schätzen.

Erst neulich habe ich irgendwo diesen Vergleich gehört: So wie man zu Freuden nett ist, so sollte man das auch zu sich selbst sein. Oder würde man Freuden nichts zu essen geben, sie hungern lassen oder ihnen das Essen vermiesen?

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Ich weiß, dass ich selbst nach über vier Jahren noch keineswegs raus aus dieser Krankheit und diesen Gedanken bin und sie mich noch oft einholen. Doch wenn ich zurückblicke, sehe ich heute ein ganz andere Stefanie als noch vor zwei, ja vielleicht sogar einem Jahr. Ich habe verdammt viel Zeit darin investiert, über mich selbst nachzudenken. Was mich glücklich macht und was nicht und vor allem OB mich das, was ich mache, denn überhaupt glücklich macht.

Mein Weg aus der Essstörung wird sicher noch ein langer sein, auch wenn mir das vielleicht oft noch immer nicht ganz bewusst ist, aber irgendwo ist immer ein Anfang vom Ende. Man muss ihn nur tun.

Wie immer hoffe ich, euch mit diesem Post ein wenig weiterhelfen zu können bzw. alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich mich, zum Nachdenken anregen zu können. Das Thema liegt mir wirklich am Herzen, denn ich weiß, dass es (wie bei mir selbst) oft unterschätzt wird und sie Folgen auch Jahre später noch zu spüren sind.

Freue mich auf euer Feedback in den Kommentaren und auch, ob ihr mehr solcher Posts lesen wollt.
Xoxo

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