Von Selbstzweifeln regiert

Hey ihr Lieben,

Bestimmt erwartet sich jetzt ein jeder von euch einen Beitrag mit wertvollen Tipps für mehr Selbstvertrauen und weniger Selbstzweifel, wie er ja auf so manchen Blogs kursiert. Auch ich habe dazu schon einmal vor knapp zwei Jahren hier einen Beitrag verfasst. Aber ich bin ehrlich: Ich werde nach wie vor von Selbstzweifeln regiert und mein Selbstvertrauen hat in den letzten Monaten wieder den ein oder anderen Einschnitt erfahren müssen.

Ich hoffe, ihr wisst, dass dieser Text ein sehr sensibler für mich ist und dazu auch einige Dinge beigetragen haben, die ich einfach hier nicht anschneiden möchte. Aber trotzdem finde ich es wichtig, über so ein schwieriges und gleichzeitig präsentes Thema ein paar Zeilen zu verfassen. Denn mir kommt vor, dass ich dadurch nicht nur mir selbst helfe, sondern auch vielen von euch, denen es ähnlich geht. Ich bekomme nämlich wirklich Nachrichten, in denen steht, wie man so selbstbewusst werden kann, wie ich es bin. Vor allem glaube ich, dass viele davon ausgehen, dass ich Selbstbewusstsein mit Löffeln gegessen haben muss, um mich über etwas wie den Blog und Instagram drüber zu trauen. Aber das ist keinesfalls so! Wahrscheinlich fällt es mir auch deshalb leichter, das alles hier aufzuschreiben, als darüber zu reden.

Wie auch immer, ich lasse euch nun an meiner Geschichte teilhaben und hoffe, dass ich euch damit ein Stück weit die Augen öffnen kann. Denn ich weiß, dass es wie gesagt vielen jungen Mädels da draußen, die das jetzt lesen werden, genau so geht wie mir.

Mir ging mein Selbstbewusstsein verloren

Wenn ich zurückdenke, dann war ich früher ein richtig offenes Kind, das gemacht hat, was es wollte und immer Spaß hatte. Doch irgendwann in der Pubertät kam der Zeitpunkt, an dem ich begonnen habe, an mir selbst zu zweifeln. Dazu kam, dass ich mit 14 an starker Migräne litt, was mich zusätzlich fertig gemacht hat. Im Nachhinein weiß ich, dass selbst die psychisch bedingt war, weil ich mir schon damals einfach selbst viel zu viel Druck gemacht habe. Aber dazu unten mehr. Ich weiß noch, wie froh ich war, als diese Migränephasen ein Ende hatten. Aber schon habe ich mich mit knapp 16 in das nächste Unheil gestürzt.

Die Geschichte von meiner Essstörung will ich hier nicht noch einmal neu aufrollen, denn dazu gibt es genug Beiträge hier am Blog. Fakt ist aber, dass ich nun weiß, dass diese Zweifel, die ich immer schon an mir hatte, auch mit ein Auslöser waren, da hineingerutscht zu sein. Natürlich spielen immer viele Faktoren zusammen. Bei mir waren es der Verlust eines Familienmitglieds, das Hochkommen nicht verarbeiteter Trauer und allgemeine Unzufriedenheit mit mir selbst. Umsonst heißt es nicht immer, man hat eine falsche Vorstellung von sich selbst. Und genau das geht mit Selbstzweifeln und mangelndem Selbstvertrauen einher. Das Wichtigste ist einfach nur, dass man sich dessen irgendwann bewusst wird und selbst etwas dagegen tun kann. So machen mich Fotos von früher heute einfach nur noch traurig und ich frag mich, für was ich mir das alles angetan habe. Eine Antwort darauf fehlt mir leider oft.

 

Der Eindruck nach Außen

Wie ich oben schon geschrieben habe, wirke ich auf viele Menschen selbstbewusst. Und wenn man mich nur deshalb kennt, weil man mir auf Instagram folgt, mag das auch gerechtfertigt sein, denn alleine der Schritt, dort so viel von sich mit anderen zu teilen, wirkt doch schon sehr selbstbewusst. Aber Leute, genau das ist das Gefährliche am Internet. Es täuscht einen verdammt schnell. Du kannst dort immer schön in die Kamera grinsen und jedem erzählen, wie toll dein Leben ist, denn kontrollieren kann es keiner, der dich nicht auch im echten Leben kennt. Nur für mich bedeutet ‘kennen’, dass man wirklich mehr über die Person weiß. Weiß, wer sie wirklich ist und nicht nur wie sie heißt und in meinem Fall, was ich gerne zum Frühstück esse. Ich gebe auch zu, dass ich oft auch ein bisschen voreingenommen bin bzw. das früher war. Heute weiß ich am Besten, dass man in andere nicht hineinschauen kann und deshalb jedem eine Chance geben sollte.

Selbstzweifel im Alltag

Natürlich hat jeder ab und an einmal Selbstzweifel und das ist normal, aber sie sollten einfach nicht Überhand nehmen. Ich neige zum Beispiel dazu, immer nur die Fehler an mir zu sehen und mich nie mit etwas zufrieden zu geben. Und glaubt mir, das ist eine richtig furchtbare Angewohnheit, denn wenn einem sowieso nie etwas passt, dann kann man im Endeffekt auch nicht ganz glücklich sein. Bei mir kommt das alles davon, dass ich mich immer schon gerne mit anderen verglichen habe. Ich weiß, man hat mir schon zirka tausend Mal gesagt, dass es irrelevant für mich ist, was Person X und Y machen, aber trotzdem beginne ich immer noch damit, zu vergleichen. Vielleicht nicht mehr so stark wie früher, denn ich muss erwähnen, dass ich mich natürlich gebessert habe, aber trotzdem fällt es mir schwer, etwas zu akzeptieren, wenn es nicht komplett meinen Vorstellungen entspricht. Doch was sind das für Vorstellungen? Das ist genau der Punkt.

Wem muss ich etwas beweisen

Man spricht immer davon, dass man der Gesellschaft gerecht werden muss. Ich hatte als Kind schon immer eine Vorstellung, wie meine Zukunft zirka auszusehen hat. Ich werde studieren, heiraten, vielleicht zwei Kinder haben, in einem großen Haus wohne. Und genau, gut aussehen und schlank sein sollte ich dann auch noch, denn sonst kann ich Ersteres wohl gleich vergessen. Naiv oder? Aber ich glaube, diese Gedanken haben sich in den Köpfen vieler junger Mädchen manifestiert. Da bin ich wirklich kein Einzelfall. Nur was wir als Kinder nicht wissen, ist, dass das Leben einfach nicht nach Plan verläuft. Die Kunst liegt nur darin, aus all dem, was uns aus der Bahn bringen könnte, das Beste zu machen. Heute weiß ich, dass man langfristig sowieso nichts genau planen kann, denn meistens kommt es dann anders.

Man kann sich aber selbst Steine in den Weg legen, das ist mir auch bewusst. Das Sprichwort, dass man ‘jemand zu seinem Glück zwingen muss’ hat für mich etwas Wahres, denn diese selbst gelegten Steine sind oft der Grund, warum wir uns so viel im Leben verbauen können. In meinem Fall sind dies Zweifel an mir selbst, etwas zu tun. Ich rede mir dann nämlich ein, dass ich etwas nicht schaffe, nicht gut genug, hübsch genug etc. bin. Dann lasse ich es einfach-Ganz oder gar nicht also. Doch was habe ich zu verlieren? Meistens nichts oder nicht viel. Überlegt euch das mal. So denke ich in letzter Zeit oft für Prüfungen, denn selbst da war ich in meinen ersten Semestern an der Uni zum Einen immer unzufrieden und zum Anderen habe ich mich einfach zu wenig getraut.

Was ich euch mitgeben möchte

Alle von euch, die sich nun in diesen Zeilen wiedererkannt haben, sollten nun noch ein bisschen weiterlesen. Ich bin mir nämlich sicher, dass es doch ein paar von euch sind. Was ich euch mitgeben möchte, ist, dass ihr euch Fehler einfach eingestehen müsst, ohne euch dabei selbst runterzumachen. Abhaken und weitermachen, heißt es. Findet etwas, das ihr an euch mögt. Ich weiß, dass es da etwas gibt. Das Wichtigste ist aber, dass ihr euch darüber im Klaren seid, dass ihr in eurem Leben schon viel erreicht habt und stolz sein könnt auf euch. Es gibt einfach so viel Wichtigeres als dünn zu sein, nur Einser zu haben etc. Wahrscheinlich muss man einfach auch älter werden, um das zu erkennen. Aber lasst es einfach nicht zu, von Selbstzweifeln regiert zu werden, denn diese schränken euch ein und machen euch alles andere als glücklich.

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2 Kommentare

  1. Julia
    15. Mai 2018 / 1:00

    Hallo!
    Ein wirklich guter Post! Ich bin auch selten mit mir zufrieden und vergleiche mich immer noch viel zu oft mit anderen. Auch wenn man sich bemüht, solche Dinge zu ändern, fällt man in herausfordernden Situationen oder durch negative Ereignisse leicht wieder in diese Selbstzweifel zurück. Wichtig ist, dass man weiter an sich arbeitet und sich von den Zweifeln nicht einschränken lässt. Bei mir sind Sachen, die ich zuerst vor lauter Sellbstzweifel gar nicht machen wollte, oft schon viel besser ausgegangen als ich erwartet hatte, man muss sich einfach trauen. Und selbst wenn mal etwas schief geht, hat man es wenigstens versucht und ist meistens um eine Erfahrung reicher!
    Viel Erfolg an der Uni und liebe Grüße,
    Julia

  2. 15. Juni 2018 / 11:25

    Danke für diesen ehrlichen und mutigen Beitrag! Oft lieg ich nachts wach im Bett und auf einmal fallen mir Fehler ein, die ich mal vor Jahren gemacht habe und die lassen mich dann einfach nicht mehr los. Deshalb stimme ich dir voll zu: Abhaken und weitermachen. 🙂

    Alles Liebe,
    Claudia
    http://thatsmeonline.net

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